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<title>Posthuma (Storm)</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Posthuma (Storm)</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Posthuma</b> ist der Titel einer frühen Erzählung <a href="Theodor_Storm" title="Theodor Storm">Theodor Storms</a>, die 1851 in dem Band <i>Sommergeschichten und Lieder</i> erschien und trotz ihrer Kürze als <a href="Novelle" title="Novelle">Novelle</a> eingestuft wird. Sie handelt von einer ungleichen Liebesbeziehung und arbeitet mit dem Motiv der <a href="Kindfrau" title="Kindfrau">Kindfrau</a>.
Mit ihren Themen und Techniken deutet sie bereits auf die späteren Werke und zeigt die charakteristische aussparende Erzähltechnik, die etwa in Storms Novelle <i><a href="Immensee_(Storm)" title="Immensee (Storm)">Immensee</a></i> zu beobachten ist und dort ausführlicher untersucht wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Form_und_Inhalt">Form und Inhalt</h2></div>
<p>Das skizzenartige Werk gliedert sich in drei Teile<sup id="cite_ref-Leroy51_1-0" class="reference"><a href="#cite_note-Leroy51-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und wird aus <a href="Fokalisierung#Nullfokalisierung" title="Fokalisierung">nullfokalisierter</a> Perspektive erzählt.<sup id="cite_ref-Timm137_2-0" class="reference"><a href="#cite_note-Timm137-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die einleitende Szenerie zeigt eine schlichte <a href="Bestattung" title="Bestattung">Beerdigung</a>. Ein <a href="Sarg" title="Sarg">Sarg</a> mit einem Blumenkranz wird in die Erde gelassen, die <a href="Sargtr%C3%A4ger" title="Sargträger">Träger</a> verneigen sich und ziehen ihres Weges, die <a href="Totengr%C3%A4ber_(Beruf)" title="Totengräber (Beruf)">Totengräber</a> verrichten ihre Arbeit.
Während die <a href="Jahreszeiten" class="mw-redirect" title="Jahreszeiten">Jahreszeiten</a> vorüberziehen, ist das im Armenviertel liegende <a href="Grab" title="Grab">Grab</a> Wind und Wetter ausgesetzt, wird im Winter mit Schnee bedeckt und im Frühling und Sommer von Gras und <a href="Marienblatt" class="mw-redirect" title="Marienblatt">Marienblatt</a>, aber auch Nesseln und <a href="Disteln" title="Disteln">Disteln</a> bewachsen.
Eines Tages ist das, „was die Menschen <a href="Unkraut" title="Unkraut">Unkraut</a> nennen“, verschwunden, und bald sieht man ein Holzkreuz, in das der Name eines Mädchens eingeritzt wird.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Im nächtlichen Zimmer eines großen Hauses <a href="Erinnerung_(Psychologie)" title="Erinnerung (Psychologie)">erinnert</a> sich ein junger Mann an die früh Verstorbene, die nachts „im kalten Vorfrühling, in ihrem vertragenen Kleidchen“ in seinen Garten kam, da er sie „nicht anders sehen“ konnte. In der Hand hält er einen <a href="Trauerkranz" title="Trauerkranz">Kranz</a> aus weißen <a href="Moosrose" title="Moosrose">Moosrosen</a> und stellt sich ihre in der Dunkelheit liegende Ruhestätte bildhaft vor. Vorsichtig und geräuschlos verlässt er sein Domizil, geht im Mondlicht unbemerkt zum <a href="Kirchfriedhof" title="Kirchfriedhof">Kirchfriedhof</a> und erreicht das Grab, das im Schatten der Kirchhofsmauer liegt. Nachdem er den <a href="Rosenkranz" title="Rosenkranz">Rosenkranz</a> an das schwarze Kreuz gehängt hat und die Stimmen der Nacht um ihn erwachen, denkt er an die junge Frau, die „den Tod schon in sich“ trug und ihn liebte, während er sie nur körperlich begehrte und sich aus gesellschaftlichen Gründen heimlich mit ihr treffen wollte.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bei ihrer letzten Begegnung stehen sie eines Nachts hinter einem Zaun und hören, wie sich Schritte nähern. Der junge Mann möchte nicht gesehen werden und zieht sich zurück, wohingegen ihr dies gleichgültig ist. Er lässt sich auf Zärtlichkeiten ein, will sie aber schonen, nicht „weil er es als Sünde empfunden hätte, sie ohne Liebe sein zu nennen“, sondern weil er ein unbestimmtes Hindernis fühlt, bei dem es sich in Wirklichkeit um den <a href="Tod" title="Tod">Tod</a> handelt. Als der Wind durch die Zweige streicht, schützt er sie mit seinem Mantel und will wegen der Kälte bald aufbrechen; doch sie hält ihn zurück.
</p><p>Zwei Monate später stirbt sie an der <a href="Auszehrung" title="Auszehrung">Schwindsucht</a>, ohne dass er sie zuvor wiedergesehen hätte. Nun trägt er jahrelang ihr „Bild mit sich herum und ist gezwungen, eine Tote zu lieben.“<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entstehung_und_Veröffentlichung"><span id="Entstehung_und_Ver.C3.B6ffentlichung"></span>Entstehung und Veröffentlichung</h2></div>
<p>Die Entwürfe der Geschichte reichen in die frühen 1840er Jahre zurück. Sieht man vom Kunstmärchen <i>Hans Bär</i> ab, ist <i>Posthuma</i> somit eines seiner ersten Erzählwerke.<sup id="cite_ref-Leroy51_1-1" class="reference"><a href="#cite_note-Leroy51-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Bereits in den Jahren 1841/42 notierte er in der <a href="Sammelhandschrift" title="Sammelhandschrift">Sammelhandschrift</a> <i>Meine Gedichte</i> einen fragmentarischen Entwurf des Schlussteils.
</p><p>Der 1851 veröffentlichte Band <i>Sommergeschichten und Lieder</i> umfasste neben 36 Gedichten auch weitere frühe Prosaarbeiten Storms wie <i>Im Saal</i>, <i><a href="Marthe_und_ihre_Uhr" title="Marthe und ihre Uhr">Marthe und ihre Uhr</a></i>, das <a href="Kunstm%C3%A4rchen" title="Kunstmärchen">Kunstmärchen</a> <i><a href="Der_kleine_H%C3%A4welmann" title="Der kleine Häwelmann">Der kleine Häwelmann</a></i> und <i>Immensee</i>.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
1860 wurde das Werk mit knappen, aber bedeutungsvollen Veränderungen zusammen mit <i><a href="Auf_dem_Staatshof" title="Auf dem Staatshof">Auf dem Staatshof</a></i>, <i>Der kleine Häwelmann</i> und der komischen Skizze <i><a href="Wenn_die_%C3%84pfel_reif_sind" title="Wenn die Äpfel reif sind">Wenn die Äpfel reif sind</a></i> in die Sammlung <i>In der Sommer-Mondnacht</i> des Berliner Verlages Heinrich Schindler aufgenommen<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> und erschien acht Jahre später im fünften Band der <i>Schriften</i>.<sup id="cite_ref-Timm137_2-1" class="reference"><a href="#cite_note-Timm137-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Hintergrund">Hintergrund</h2></div>
<p>Ein Brief <a href="Ludwig_Pietsch" title="Ludwig Pietsch">Ludwig Pietschs</a> an den Autor vom 19. Dezember 1859 deutet an, dass Storm die Novelle sehr schätzte, sie sogar als „das beste seiner Werke“ betrachtete. Die Forschung betont ihren fragmentarischen Charakter und die skizzenartige Darstellung, was an Storms eigene Einschätzung erinnert, der die Erzählungen des Sammelbandes als „Situationen“ bezeichnete. In einer Rezension vom 28. Dezember 1854 ordnete <a href="Paul_Heyse" title="Paul Heyse">Paul Heyse</a> <i>Posthuma</i> zu den „Stillleben“ des Dichters und sprach von einer „poetische(n) Macht“, die zu „Dämmerung und Räthselhaftigkeit“ der Rezeptionen führe. Wie in <i>Immensee</i> steht die <a href="Ellipse_(Linguistik)" class="mw-redirect" title="Ellipse (Linguistik)">elliptische</a> Erzählweise seinen Gedichten nahe.<sup id="cite_ref-Timm137_2-2" class="reference"><a href="#cite_note-Timm137-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<p>Die evozierte Stimmung mit der <a href="Allegorie" title="Allegorie">Allegorie</a> des Todes, der personifizierten Nacht und Natur und der bildhaften Erzählweise belegen Storms häufig zitierte Aussage, die Prosa wachse auf dem Boden seiner Lyrik. <i>Posthuma</i> zeigt in überraschender Dichte Motive und Techniken seiner späteren Novellen. Zu den Besonderheiten seines Œuvres gehört die hier bereits erkennbare Erzähltechnik der Aussparung, die bei der Analyse seiner bekannten Novelle <i>Immensee</i> ausführlicher untersucht wurde.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Das Werk ist von Storms Liebe zu Bertha von Buchan geprägt, der er als neunzehnjähriger Gymnasiast zu Weihnachten 1836 begegnet war. Bald darauf schickte er ihr aus Kiel erotisch getönte Gedichte und das für sie geschriebene Märchen <i>Hans Bär</i>.
Die Verse lösen sich von den epigonalen, dem Geist des <a href="Rokoko" title="Rokoko">Rokoko</a> und der <a href="Anakreontik" title="Anakreontik">Anakreontik</a> verpflichteten Anfängen und lassen bereits einen eigenen Ton erkennen.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Neigung für das erst elfjährige Mädchen, die <a href="Thomas_Mann" title="Thomas Mann">Thomas Mann</a> als „...jahrelangen poetischen Kultus“ bezeichnete, entsprach dem Kindheitsideal der literarischen <a href="Romantik" title="Romantik">Romantik</a>, die Storm als Primaner in Lübeck studiert hatte und später mit dem Motiv der Kinderliebe in vielen seiner Novellen variierte.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Es findet sich exemplarisch in seiner Märchenballade <i>Lockenköpfchen</i>, die bereits Anfang 1837 geschrieben aber erst postum publiziert wurde und deren Binnentext innerhalb eines biederen Erzählrahmens das romantische Motiv variiert, nach dem ein Knabe von einer <a href="Nixe" title="Nixe">Nixe</a> verführt und in die Tiefe gezogen wird.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sie entspricht dem Modell der romantischen <a href="Kindfrau" title="Kindfrau">Kindfrau</a>, das <a href="Johann_Wolfgang_von_Goethe" title="Johann Wolfgang von Goethe">Goethe</a> in der Ballade <i><a href="Der_Fischer_(Goethe)" title="Der Fischer (Goethe)">Der Fischer</a></i> und <a href="Friedrich_de_la_Motte_Fouqu%C3%A9" class="mw-redirect" title="Friedrich de la Motte Fouqué">Fouqué</a> in dem Märchen <i><a href="Undine_(Friedrich_de_la_Motte_Fouqu%C3%A9)" title="Undine (Friedrich de la Motte Fouqué)">Undine</a></i> variiert hatten.
In <i>Posthuma</i> zeigen sich die bestimmenden Motive und Metaphern des <i>Lockenköpfchens</i> und deuten auf eine ambivalente Beziehung von Lust, Verbot und Heimlichkeit.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Interpretationsansatz">Interpretationsansatz</h2></div>
<p>Wie <a href="Liebe" title="Liebe">Liebe</a>, <a href="Tod" title="Tod">Tod</a> und <a href="Gedenken" class="mw-redirect" title="Gedenken">Gedenken</a> verflochten sind, beschäftigte Storm schon in jungen Jahren. Der Welt des Todes mit seiner grausamen Endgültigkeit steht dabei das antagonistische Moment der <a href="Erinnerung_(Psychologie)" title="Erinnerung (Psychologie)">Erinnerung</a> gegenüber, eine <a href="Kultur" title="Kultur">kulturelle</a> Leistung, die den Verstorbenen unter dem „Unkraut“ des <a href="Vergessen" title="Vergessen">Vergessens</a> hervorwühlt und ihn so auf Erden gleichsam unsterblich macht.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Auch die Liebe stellt sich in der frühen Erzählung erst in der Erinnerung des jungen Mannes ein, hatte er das Mädchen zu Lebzeiten doch lediglich sinnlich „begehrt“, eine weitere Parallele zu <i>Immensee</i>, da der alte Reinhard sich erst rückblickend ein Liebesgefühl für Elisabeth eingesteht. Wie in der wesentlich bekannteren Novelle
wirft die Geschichte einen Blick auf die <a href="Gesellschaft_(Soziologie)" title="Gesellschaft (Soziologie)">gesellschaftliche</a> Situation der Zeit. Für Robert Leroy und Eckart Pastor ist der soziale Abstand innerhalb der Liebesbeziehung ein zentraler Aspekt, womit sie sich von Ingrid Schuster abgrenzen, die der frühen Novelle die „sozialkritische Dimension“ abspricht und die Gesellschaftsproblematik lediglich als „Ausschmückung“ betrachtet.<sup id="cite_ref-Leroy52_14-0" class="reference"><a href="#cite_note-Leroy52-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>So führt der soziale Unterschied zwischen dem aus gutbürgerlichem Hause stammenden Mann und der jungen Frau in dem „vertragenen Kleidchen“ dazu, dass die beiden sich heimlich in kalten Nächten treffen müssen und die ohnehin schon angeschlagene Gesundheit der Partnerin aufs Spiel gesetzt wird. Die Geliebte „nicht anders sehen“ zu können, kann doppeldeutig gemeint sein, sich sowohl auf die Heimlichkeit der Beziehung als auch auf die spezifische Erinnerung des Mannes beziehen, der sich ein bestimmtes Bild der Toten bewahrt hat.<sup id="cite_ref-Leroy52_14-1" class="reference"><a href="#cite_note-Leroy52-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<p>Dass der junge Mann sich erst nach ihrem Tode zu seiner Verantwortung bekennt und ihm die Schuldhaftigkeit der Beziehung ins Bewusstsein kommt, unterstreicht Storm, indem er auf jegliche Romantisierung verzichtet und die Wahrnehmung des Mannes ohne versöhnliche Gefühlsregungen und geradezu nüchtern schildert. Versunken in seine Erinnerung, hört er weder die „Stimmen der Mondnacht“, noch das „Säuseln der Gräser“ oder „das feine Singen in den Lüften“, eine unromantische Betrachtung, die das Schuldbewusstsein dessen charakterisiert, der sich nun endlich um das verwahrloste Grab kümmert.
</p><p>Die <a href="Symbolik" title="Symbolik">Symbolik</a> wird im Blumenschmuck und in der sich erneuernden Natur deutlich, etwa dem <a href="Marienblatt" class="mw-redirect" title="Marienblatt">Marienblatt</a>, das die Ruhestätte im Frühling und Sommer bedeckt. War der Sarg vor der Beisetzung lediglich mit einem Kranz bedeckt, wandelt sich das Gesteck aus weißen <a href="Moosrose" title="Moosrose">Moosrosen</a> in der Hand des Mannes in einen <a href="Rosenkranz" title="Rosenkranz">Rosenkranz</a>, den er über das Kreuz hängt. So wird aus dem Zeichen der Trauer das <a href="Rosenkranz#Begriffsherkunft" title="Rosenkranz">Symbol</a> der <a href="Maria_(Mutter_Jesu)" title="Maria (Mutter Jesu)">Jungfrau Maria</a>, aus der Erinnerung an die Verstorbene die <a href="Apotheose" title="Apotheose">Apotheose</a>.
Weitere religiöse Verweise formen rückblickend auch das Wesen der Verstorbenen um. Hatte der junge Mann den elfenhaft-leichten Körper der Geliebten zu Lebzeiten einfach auf seinen Schoß gehoben und sie neckend eine „Hexe“ genannt, verwahrt er nach dem Erlöschen der Begierde das Bild einer Heiligen in seiner Erinnerung und hält am Bild einer <a href="Jungfr%C3%A4ulichkeit" class="mw-redirect" title="Jungfräulichkeit">jungfräulichen</a> Liebe fest. Die Schilderung der Nacht, in der alles schon schläft, erinnert an das <a href="Weihnachtslied" title="Weihnachtslied">Weihnachtslied</a> <i><a href="Stille_Nacht%2C_heilige_Nacht" title="Stille Nacht, heilige Nacht">Stille Nacht, heilige Nacht</a></i> und deutet mit der Geburt des göttlichen Kindes auf <a href="Jesus_Christus" title="Jesus Christus">Christus</a> und damit auf die <a href="Erl%C3%B6sung" title="Erlösung">Erlösung</a> der Menschheit und die Befreiung von persönlicher Schuldverstrickung.
Die „erlösende Erinnerung“ des Mannes läuft indes eher auf ein religiös verbrämtes Surrogat hinaus und mündet nicht in den versöhnlichen Ausgleich zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlichem Lebensglück, ist er doch „gezwungen, eine Tote zu lieben.“<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Mareike Börner: <i>Mädchenknospe – Spiegelkindlein: Die Kindfrau im Werk Theodor Storms.</i> Königshausen & Neumann, Würzburg 2009, ISBN 978-3-826-04125-9, S. 76–111</li>
<li><a href="Heinrich_Detering" title="Heinrich Detering">Heinrich Detering</a>: <i>Kindheitsspuren: Theodor Storm und das Ende der Romantik.</i> Boyens, Heide 2011, ISBN 978-3-804-21333-3</li>
<li>Robert Leroy und Eckart Pastor: <i>„...eine Tote zu lieben“: Storms frühe Erzählung „Posthuma“.</i> In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft, Band 41 (1992), S. 51–54</li>
<li>Mareike Timm: Posthuma. In: Storm-Handbuch, Metzler, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-476-02623-1, S. 137–139</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-Leroy51-1"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Leroy51_1-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Leroy51_1-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Robert Leroy und Eckart Pastor: <i>„...eine Tote zu lieben“: Storms frühe Erzählung „Posthuma“</i>. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft, Band 41 (1992), S. 51.</span>
</li>
<li id="cite_note-Timm137-2"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Timm137_2-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Timm137_2-1">b</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Timm137_2-2">c</a></sup></span> <span class="reference-text">Mareike Timm: <i>Posthuma.</i> In: Christian Demandt und <a href="Philipp_Theisohn" title="Philipp Theisohn">Philipp Theisohn</a> (Hrsg.): Storm-Handbuch, Metzler, Stuttgart 2017, S. 137.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Theodor Storm: <i>Posthuma</i> In: <i>Sämtliche Werke in drei Bänden.</i> Band 1, Phaidon, Essen, S. 280.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Theodor Storm: <i>Posthuma</i> In: <i>Sämtliche Werke in drei Bänden.</i> Band 1, Phaidon, Essen, S. 281.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Theodor Storm: <i>Posthuma</i> In: <i>Sämtliche Werke in drei Bänden.</i> Band 1, Phaidon, Essen, S. 282.</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Gerd_Eversberg" title="Gerd Eversberg">Gerd Eversberg</a>: <i>Storms Publikationspraxis.</i> In: Christian Demandt und Philipp Theisohn (Hrsg.): Storm-Handbuch. Metzler, Stuttgart 2017, S. 46.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Christoph Gardian: <i>Wenn die Äpfel reif sind.</i> In: Christian Demandt und Philipp Theisohn (Hrsg.): Storm-Handbuch. Metzler, Stuttgart 2017, S. 146.</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Dazu Claudia Stockinger: <i>Storms Verständnis des Genres Novelle. Novellenpoetik als Medienpoetik.</i> In: Christian Demandt und Philipp Theisohn (Hrsg.): Storm Handbuch. Metzler, Stuttgart 2017. S. 120–122.</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Ulrich Kittstein: <i>Liebeslyrik.</i> In: Christian Demandt und Philipp Theisohn (Hrsg.): Storm-Handbuch, Metzler, Stuttgart 2017, S. 74.</span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Walter Arnold: <i>Schulzeit in Lübeck, Studium in Kiel und Berlin.</i> In: Christian Demandt und Philipp Theisohn (Hrsg.): Storm-Handbuch, Metzler, Stuttgart 2017, S. 4–5.</span>
</li>
<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Ulrich Kittstein: <i>Liebeslyrik.</i> In: Christian Demandt und Philipp Theisohn (Hrsg.): Storm-Handbuch, Metzler, Stuttgart 2017, S. 75.</span>
</li>
<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Heinrich_Detering" title="Heinrich Detering">Heinrich Detering</a>: <i>Der Tod als Fixativ: Lockenköpfchen und Posthuma.</i> In: <i>Kindheitsspuren. Theodor Storm und das Ende der Romantik.</i> Boyens, Heide 2011.</span>
</li>
<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text">So Robert Leroy und Eckart Pastor: <i>„...eine Tote zu lieben“. Storms frühe Erzählung „Posthuma“</i>. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft, Band 41 (1992), S. 51.</span>
</li>
<li id="cite_note-Leroy52-14"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Leroy52_14-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Leroy52_14-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">Robert Leroy und Eckart Pastor: <i>„...eine Tote zu lieben“. Storms frühe Erzählung „Posthuma“</i>. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft, Band 41 (1992), S. 52.</span>
</li>
<li id="cite_note-15"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-15">↑</a></span> <span class="reference-text">So Robert Leroy und Eckart Pastor: <i>„...eine Tote zu lieben“. Storms frühe Erzählung „Posthuma“</i>. In: Schriften der Theodor-Storm-Gesellschaft, Band 41 (1992), S. 52–53.</span>
</li>
</ol>
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